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Schwester im Geiste: Die Weltbank

Wenn der IWF kritisiert wird, ist die Weltbank meist nicht weit. Das liegt daran, dass die beiden "Internationalen Finanzinstitutionen" heute in vielen Fällen an einem Strang ziehen und gemeinsam Strukturanpassungen durchsetzen - obwohl sie einmal mit klar definierten und getrennten Aufgaben gegründet worden sind.

Nach ihrer Gründung 1944 stellte die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development) den kriegszerstörten Ländern Europas Kredite zur Verfügung. Ab den 60er-Jahren verschob sich ihr Fokus auf die Entwicklungsländer und auf die Finanzierung vor allem von großen Infrastrukturprojekten. Damit geriet sie schnell in die Kritik, etwa für die Unterstützung von Staudammprojekten. Diese waren sowohl aus ökologischer wie auch aus sozialer Sicht problematisch, zwangen zigtausend Menschen zur Umsiedlung oder zerstörten riesige Waldgebiete.

Bis heute ist die Weltbank mit ihren Projekten alles andere als erfolgreich; das zeigt eindrucksvoll ein vom US-Kongress zur Arbeit der Institution angeforderter Bericht (der so genannte Meltzer Bericht). Bilanz: Mehr als die Hälfte aller von der Bank geforderten Projekte waren Misserfolge, besonders betroffen war Afrika, wie die Grafik zeigt.

     
 

Fehlgeschlagene Weltbankprojekte 1990-1999 (nach Nunnenkamp 2002:10)

 

Partner bei Strukturanpassungsmaßnahmen

Ein weiteres wichtiges Standbein der Bank sind seit den 80er-Jahren, gemeinsam mit dem IWF, die Strukturanpassungskredite an überschuldeten Länder. Die Weltbank setzt dabei auf die gleichen fragwürdigen "one-size-fits-all"-Konzepte wie der Währungsfonds: Die Länder müssen - um Kredite zu erhalten - Unternehmen privatisieren, Märkte öffnen und Subventionen abbauen, mit oft verheerenden Folgen. (Strukturanpassungen).

Es gibt noch eine weitere Parallele zum IWF: Der bereits erwähnte Meltzer-Bericht nennt als Hauptursache für gescheiterte Weltbankprojekte und problematische Politikempfehlungen die mangelnde Kenntnis der Situation vor Ort durch die Mitarbeiter - auch in der Weltbank treffen die reichen Industrienationen die Entscheidungen, die Entwicklungsländer sind stark unterrepräsentiert.

Fehlender Realitätssinn: Der Extractive Industries Review Wie sehr die Weltbank an alten Konzepten hängt und nicht bereit ist, diese an die Realität anzupassen, dafür hat das Management vor kurzem wieder einen eindrucksvollen Beweis abgeliefert. Der Präsident der Weltbank selber, James Wolfensohn, hatte vor zwei Jahren eine Expertenkommission beauftragt zu untersuchen, ob der Fokus der Weltbank auf die Finanzierung von Öl- und Kohleprojekten zur Armutsbekämpfung beiträgt.

Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Diese Politik sei nicht nur für das globale Klima mehr als bedenklich, sondern helfe auch der Bevölkerung vor Ort nicht. Die Bank solle sich daher bis zum Jahr 2008 schrittweise aus dem Engagement bei fossilen Energien zurück ziehen und dafür die Förderung erneuerbarer Energien um jährlich 20 Prozent steigern (der ganze Bericht und weitere Informationen finden sich bei der Extractive Industries Review (EIR)).

Die Reaktion des Bank-Management aber war ebenfalls eindeutig. Es fegte die Hauptforderungen der Kommission vom Tisch, kaum dass es den Bericht gelesen hatte. Die Begründung dafür legt nahe, dass das Management den Bericht noch nicht einmal richtig gelesen hat: Es lehnt den Ausstieg aus fossilen und den Einstieg in erneuerbare Energien ab, weil dadurch die Kosten des Umweltschutzes auf die Bevölkerungen armer Länder abgewälzt würden. Das ist blanker Hohn, denn der Extractive Industries Review hatte noch einmal deutlich gezeigt, was NGOs seit Jahren beklagen: Ärmere Bevölkerungsschichten profitieren mitnichten vom Öl- und Kohle-Abbau; stattdessen schöpfen in der Regel große Konzerne, nicht selten aus dem Ausland, die Profite ab; für die heimische Bevölkerung bleibt oftmals nur zerstörter Lebensraum zurück.

Die Förderung erneuerbarer Energien hingegen wirkt sich in zweierlei Hinsicht positiv aus: Sie schützt das Klima; und sie bietet ärmeren Ländern und deren Bevölkerung eine echte Entwicklungschance.

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